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Wo stand die römische Traunbrücke von Ovilava?

Die Frage nach dem Standort der römischen Traunbrücke beschäftigt die Welser Forschung seit mehr als hundert Jahren. Zahlreiche Indizien liegen vor – ein eindeutiger archäologischer Beweis jedoch fehlt bis heute. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass im Bereich der heutigen Eisenbahnbrücke ein bedeutender römischer Übergang bestanden haben könnte.

Moderne Forschung unter Wasser

Im Rahmen eines ERC-geförderten Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. Leif Scheuermann (Universität Trier) werden derzeit systematische Untersuchungen im Bereich der Traun durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Landeskultur GmbH und dem Kuratorium Pfahlbauten kommen modernste Methoden zum Einsatz: Sonarvermessung, Drohnentechnik und Tauchroboter unterstützen die Arbeiten im Flussbett.

Die Untersuchungen konzentrieren sich insbesondere auf den Abschnitt ober- und unterhalb der Eisenbahnbrücke. Erste Ergebnisse deuten auf mögliche Strukturen im Untergrund hin, die mit einem Brückenbau in Zusammenhang stehen könnten. Die wissenschaftliche Auswertung steht noch aus – viele Aussagen bleiben vorerst im Konjunktiv.

Frühe Funde im Traunbett

Bereits im Jahr 1756 wurde im Schotterbett der Traun ein außergewöhnlicher Fund gemacht: der Torso eines lebensgroßen Pferdes aus Bronze. Stadtpfarrer Felix Froschauer berichtete darüber. Am Rumpf waren Befestigungslöcher erkennbar, die auf eine Reiterfigur schließen lassen.

Der Fundort lag rund 600 Meter unterhalb der heutigen Eisenbahnbrücke. Der damalige Burgherr von Wels, Heinrich von Auersperg, ließ das Stück in seine Sammlung nach Schloss Vlašim (Tschechien) verbringen. Trotz Nachforschungen konnte das Original bislang nicht wieder aufgefunden werden. Eine zeitgenössische Zeichnung ist jedoch erhalten und vermittelt zumindest einen Eindruck dieses bedeutenden Relikts.

Der zweite Hinweis: Ein Pferdefuß aus Bronze

1923 entdeckte der Schleißheimer Fährmann Wespel am rechten Traunufer – etwa 350 Meter unterhalb der Eisenbahnbrücke – ein 35 cm langes bronzenes Fragment eines rechten Pferdefußes. Fachleute ordneten dieses Stück eindeutig dem bereits 1756 geborgenen Pferdetorso zu.

Schon damals fiel die bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Reiterstandbild des Kaisers Marc Aurel (161–180 n. Chr.) auf, das heute auf dem Kapitol in Rom steht. Der damalige Museumsdirektor Ferdinand Wiesinger brachte auch Kaiser Caracalla (211–217 n. Chr.) als möglichen Dargestellten ins Spiel.

Der dritte Fund: Ein Reiterbein

Im Dezember 1949 fanden zwei Mädchen am rechten Traunufer, etwa 70 Meter unterhalb der Eisenbahnbrücke, ein 74 cm hohes bronzenes Reiterbein. Auch dieses Fragment konnte eindeutig dem Standbild zugeordnet werden. Vergleiche von Schuhwerk, Schnürung, Haltung und Ornamentik zeigen deutliche stilistische Parallelen zum Standbild des Marc Aurel.

Standbilder an Brückenköpfen?

Ein vergleichbarer Fund stammt aus Augsburg: 1769 wurde in der Wertach ein vergoldeter Pferdekopf geborgen, der ebenfalls zu einem monumentalen Reiterstandbild gehörte. Solche Statuen werden häufig mit repräsentativen Brückenköpfen bedeutender Städte in Verbindung gebracht.

Sollte auch Ovilava ein solches Standbild besessen haben, wäre ein Standort im Bereich eines wichtigen Traunübergangs naheliegend. Die Häufung der Funde unterhalb der heutigen Eisenbahnbrücke spricht zumindest für einen Zusammenhang mit einem römischen Brückenkopf.

Ovilava als Verkehrsknoten

Das römische Ovilava war ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt in der Provinz Noricum. Von hier führten Straßen in Richtung Pyhrnpass, zur Donau und weiter nach Westen und Osten. Die Römer waren Meister des Straßen- und Brückenbaus. Selbst empfindliche Luxusgüter – etwa Austern in Amphoren – wurden über Alpenpässe und stabile Brückenkonstruktionen transportiert.

Dass auch in Wels eine leistungsfähige Traunquerung existierte, ist daher kaum zu bezweifeln. Ob es sich um eine Holz- oder Steinbrücke handelte – und wo genau sie lag – ist Gegenstand aktueller Forschung.

Fazit

Die römische Traunbrücke von Ovilava bleibt eines der spannendsten ungelösten Kapitel der Welser Stadtgeschichte. Die bronzenen Fragmente einer monumentalen Reiterstatue liefern starke Indizien für einen repräsentativen Brückenkopf im Bereich der heutigen Eisenbahnbrücke. Ob die laufenden Untersuchungen endgültige Klarheit bringen, wird die wissenschaftliche Auswertung zeigen.

Jede neue Erkenntnis bringt uns der römischen Vergangenheit von Ovilava ein Stück näher.

Weiterführende Links

Der Verein RÖMERWEG OVILAVA verfolgt diese Entwicklungen mit großem Interesse und wird über neue Forschungsergebnisse weiter berichten.

Römische Funde zwischen Chance und Verlust – Wie Wels und Linz mit ihrem archäologischen Erbe umgehen

In den vergangenen Tagen lösten mehrere Berichte der Oberösterreichischen Nachrichten ein bemerkenswertes mediales Echo aus: Sowohl in der Landeshauptstadt Linz als auch in Wels und Thalheim stehen bedeutende römische Bodendenkmäler im Mittelpunkt einer breiten öffentlichen Diskussion.

Einige Zeitungsartikel im Überblick:

Linz: Eine römische Bäderanlage wird abgetragen

Beim Umbau des Linzer Landestheaters wurde eine außergewöhnlich gut erhaltene römische Bäderanlage aus dem 2./3. Jahrhundert freigelegt. Wenige Tage später war sie bereits wieder Geschichte: Nach kurzer Dokumentation wurde sie vollständig abgetragen. Fachleute wie der ehemalige Stadtarchäologe Erwin Ruprechtsberger sprechen von einer „Katastrophe“, einer „Blamage“ und einem „inakzeptablen Verlust“. Ein Erhalt wäre technisch möglich gewesen – gewollt war er offenbar nicht.

Thalheim: Wertvolle Mosaike – verborgen oder sichtbar?

Am Reinberg in Thalheim wurden drei römische Mosaike entdeckt, die sich in bemerkenswert gutem Zustand befinden – ein archäologischer Glücksfall für Oberösterreich. Grabungsleiter Felix Lang spricht von einer „einmaligen Chance“, römische Geschichte direkt am authentischen Standort sichtbar zu machen. Das Bundesdenkmalamt empfiehlt jedoch, die Mosaike dauerhaft im Boden zu belassen. Diese Sichtweise stößt bei Archäologen, Fachleuten und auch beim Verein Römerweg Ovilava auf deutliche Kritik.

Was steht auf dem Spiel?

Römische Bodendenkmäler sind weit mehr als wissenschaftliche Quellen. Sie sind Orte der Identität, der Bildung und des kulturellen Selbstverständnisses. Wo Denkmäler der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, entstehen historische Lernorte, touristische Anziehungspunkte und Werte, die Generationen verbinden. Werden sie dagegen zerstört oder dauerhaft im Boden belassen, gehen Wissen und Chancen unwiederbringlich verloren.

Position des Vereins Römerweg Ovilava

Der Verein Römerweg Ovilava setzt sich klar dafür ein,

  • bedeutende römische Funde vor Ort sichtbar zu machen,
  • langfristige Lösungen wie Schutzbauten, Überdachungen oder begehbare Präsentationen zu prüfen,
  • die Bevölkerung aktiv über Bedeutung und Chancen zu informieren,
  • und einen bewussteren Umgang mit dem römischen Erbe in Oberösterreich einzufordern.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen deutlich, dass es nicht nur um archäologische Strukturen geht, sondern um die Frage, wie wir mit unserer Geschichte umgehen wollen.

Wels, die antike Stadt Ovilava, besitzt eines der bedeutendsten römischen Zentren im heutigen Österreich. Die Mosaike am Reinberg sind eine Chance, diese Geschichte anschaulich zu vermitteln. Der Verlust der Bäderanlage in Linz sollte uns eine Mahnung sein: Was einmal zerstört oder dauerhaft verborgen ist, kann nie wieder zurückgeholt werden.

Der Römerweg Ovilava wird daher weiterhin aktiv für den Erhalt und die Präsentation des römischen Erbes eintreten.

Freie Sicht auf die Stadt Wels – Zerstörung des (mutmaßlichen) Sitzes Aschet in Oberaschet

Freie Sicht auf die Stadt Wels Was zur Römerzeit schön war, ist jetzt doch hinterfragenswert. Eine freie Sicht durch die Entfernug eines alten Gebäudes auf eine wohl nicht mehr so schöne Stadt, wie vor 2000 Jahren. Zu dieser Zeit wurden die römischen Gebäude mit den neulich entdeckten Mosaiken am Reinberg erbaut. Um diese und das Umfeld heute vor Zerstörung zu schützen, wurde vom Staat Österreich eine Schutzzone geschaffen. In diesem Bereich wird momentan gebaut. Ein altes Gebäude das ebenfalls unter Denkmalschutz steht, ist zerstört worden und es wird ohne archäologische Begleitung gegraben und gebaut. Freie Sicht auf die Stadt Wels, durch Umgehung bestehender Gesetze oder lässt sich das Ganze anders erklären? Der zuständige Beamte des Bundesdenkmalamtes wurde von diesem Bauvorhaben nicht informiert – wie kann das sein? Haben wir Gesetze, die hintergangen werden können? Sind wir einfach nur schlampig? Anscheinend ist es nur wichtig, dass wir die alten Dinge entfernen, um Sicht auf Neues zu haben (auch wenn das nicht mehr so schön ist)!
Abriss in Oberaschet: Zerstörung der historischen Bausubstanz
Historischer Sitz Aschet – Ansicht 1
Historischer Sitz Aschet – Ansicht 2
Historischer Sitz Aschet – Ansicht 3
Fotos: Verein Römerweg OVILAVA / privat

Hinweis: In unmittelbarer Nachbarschaft wurden römische Mosaiken freigelegt; der Abriss geschah ohne archäologische Begleitung.

Lageplan Oberaschet – Reinberg, Fund- und Baustellenumfeld

Ausflug zur Welser Brauerei Raunigl’s – 28. Oktober 2025

Klein, fein und mit viel Geschmack – so präsentierte sich die Welser Brauerei Raunigl’s beim Vereinsausflug des Römerweg OVILAVA. Unter der Führung von Braumeister Christoph Brandmayr durften wir einen Blick in den Braukeller werfen und verschiedene Hopfenköstlichkeiten verkosten – vom kräftigen IPA über das klassische Märzen bis hin zum hauseigenen Raunigl’s Bier.

Und weil Bier bekanntlich Appetit auf mehr macht, wurden dazu natürlich auch herzhafte Speckbrote gereicht.

Zitat Vereinsobmann Albert Neugebauer – „Endlich gibt es wieder ein sehr gutes Welser Bier!“
Vereinsausflug: Blick in den Braukeller der Brauerei Raunigl’s in Wels.
Verkostung verschiedener Biere: IPA, Märzen und Raunigl’s Hausbier.
Braumeister Christoph Brandmayr führt durch den Braukeller.
Geselliges Beisammensein – Speckbrote zur Bierverkostung.
Fotorechte: Raunigl´s

Tag der offenen Grabung in Thalheim bei Wels – 26. Oktober 2025

Bei klarem Herbstwetter nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher den Nationalfeiertag, um einen Blick hinter die Kulissen der laufenden archäologischen Forschungen in Thalheim zu werfen. Archäolog:innen der Universität Salzburg und der OÖLKG führten die Gäste durch das Grabungsareal und erklärten stolz die neuesten Entdeckungen.

Besonders großes Interesse galt den drei farbigen Mosaiken mit Darstellungen eines Kraters, geometrischer Wellenmuster und zweier Delphine – Motive, die im römischen Oberösterreich äußerst selten sind. Die Befunde deuten auf eine prachtvolle villa suburbana hin, deren Wasserbecken möglicherweise Teil eines privaten Heilbads oder Quellheiligtums waren.

Ausgewählte Fundstücke konnten aus nächster Nähe betrachtet werden. Auch unser Vereinsobmann Albert Neugebauer war vor Ort. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten und Besucher:innen!

Jetzt online: Bildergalerie zum Grabungstag. Klicken Sie auf das Bild unten, um die Fotos zu öffnen.

Schlagzeilen

Römerfest 20.9.2025

Fotos anschauen

21.5.2025 Archäologische Sensation in Thalheim bei Wels: Römische Mosaike entdeckt

In Thalheim bei Wels haben Archäologinnen und Archäologen der OÖ Landes-Kultur GmbH und der Universität Salzburg einen riesigen römischen Gebäudekomplex freigelegt. Das Anwesen am Reinberg, mit Blick auf die antike Stadt Ovilava, gehörte vermutlich einer wohlhabenden Familie. Besonders bemerkenswert sind drei hervorragend erhaltene Mosaike, darunter ein einzigartiges Delfinmotiv aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.

Römische Mosaike bei Ausgrabungen entdeckt – ooe.ORF.at